Dienstag, 12. Juli 2011

12. Tag: "Ruhetag" im Val Müstair

Danke für die vielen Kommentare, wir planen jetzt immer eine Zeit nach dem Abendessen ein fürs Vorlesen!
Heute haben wir nach dem anstrengenden Tag gestern "ausgeschlafen" bis 8 Uhr!

Um Geld zu sparen, haben wir die Übernachtung in der Jugendherberge ohne Frühstück gebucht. Dafür sind wir dann in den nächsten Laden gegangen und haben uns Müsli und Croissants gekauft und zum ersten Mal auf unserer Tour draußen gefrühstückt!
Morgens beim Frühstück vor der Jugendherberge
Damit wir auch wirklich jedes Stückchen Weg unserer Tour zu Fuß gegangen sind, sind wir dann eine Stunde nach Müstair zum Kloster gelaufen (das Stück Weg, das wir gestern mit dem Bus gefahren sind).
Kloster St. Johann in Müstair
Wir wurden dann durch das Kloster geführt, das schon vor 1200 Jahren von Karl dem Großen gegründet wurde.
Skulptur Karls des Großen in der Klosterkirche
Besonders beeindruckend waren die alten Wandmalereien.
Im Kloster leben heute noch Benediktinerinnen. Wir hatten eine gute Führerin, die auch den Kindern etwas von dem Klosterleben damals und heute vermitteln konnte.
Die alte "Stundenglocke" des Klosters
Anschließend fuhren wir mit dem Bus nach Italien, d.h. zwei Dörfer weiter nach Glurns, der kleinsten Stadt Europas mit nur 900 Einwohnern, die noch komplett von einer alten Stadtmauer umgeben ist.
Die Stadt Glurns in Südtirol
Nach dem "anstrengenden" Klosterbesuch stärkten wir uns erst mal an der Würstchenbude mit Pommes und Hamburgern!
In Glurns an der Würstchenbude
Beim anschließenden Stadtbummel fanden wir dann noch ein Hutgeschäft -
"Wer ist der/die Schönste im ganzen Land?"
und eine Gelateria mit köstlichem italienischen Eis.
"Hmmh, das schmeckt!"
Auf der Heimfahrt kauften wir noch in Taufers (I) fürs Abendessen ein.
Das Küchenteam hatte sich für Pfannkuchen mit Nutella und Marmelade entschieden.
Katharina hatte extra für uns Liederbücher gemacht und mitgebracht!
Nach dem Abendessen machten wir dann noch eine "Befindlichkeitsrunde". Obwohl wir morgen wieder 1.200 m aufwärts und 500 m abwärts vor uns haben, hat keiner gejammert.
"Passt scho!", heißt es hier in den Bergen.

So ein Ruhetag ist ja ganz schön, aber die Kinder sind abends überdreht und schwer ins Bett zu kriegen, vor lauter überschüssigen Kräften!

Fußweg Sta Maria - Kloster Müstair
Gesamte Entfernung: 6,10 km
Gesamtzeit: 1h 14min, Zeit in Bewegung: 1h 01min
Start: 1.375 m, Ende: 1.247 m (Müstair), Differenz: -128 m
Minimale Höhe (Glurns): 907 m, Maximale Höhe: 1.375 m

Morgen wollen wir also zur Oberen Stilfser Alm aufsteigen. Ab da bleiben wir dann bis Tirano meistens über 2.000 m.

Ciao bis morgen wieder in Südtirol!

Montag, 11. Juli 2011

11. Tag: Nach Sta. Maria (CH)

Wir haben heute morgen auf der Sesvenna Hütte köstliche, frische Vinschger (ein Original Südtiroler Fladenbrot) bekommen.
Mmmh, Vinschger und Kakao zum Frühstück!
Draußen, direkt vor der Hütte, zeigte uns dann jemand unsere ersten Edelweiß!
Edelweiß (Leontopodium nivale) und Bergaster (Aster amellus)



Morgens mussten immer erst die neuen Blasen versorgt werden.
Abschiedsfoto mit der netten Bedienung der Sesvennahütte
Fröhlich und bei schönstem Sonnenschein sind wir dann mit kurzen Hosen und im T-Shirt ins Tal gewandert. Wir merkten deutlich den Unterschied zur Silvretta: hatten wir dort eher mit Kälte und Schnee zu kämpfen, so sind es hier die hochsommerlichen Temperaturen, die uns zu schaffen machen.
Abwärts, an ganz besonderen Zaunpfählen vorbei, Richtung Schlinig
In Schlinig führten wir dann mit einem alten Südtiroler Bauern ein nettes Gespräch über unsere Wanderung .
Die Kirche von Schlinig in Südtirol mit Drachen-Sonnenuhr (bitte 2x anklicken zum Vergrößern!)
Zum Glück gab es immer mal wieder eine Abkühlung
Hinter Schlinig stießen wir dann auf den Stundenweg, der früher die beiden Klöster Marienberg bei Burgeis (I) und St. Jon (Johannes) in Müstair (CH) miteinander verband. Meist so auf 1.400 m Höhe schlängelte sich der Weg nach Westen. Erst durch Wald, dann an einem langgezogenen exponierten Südhang entlang. Es gab hier eine sehr vielfältige Trockenrasen-Flora mit vielen Schmetterlingen (Schachbrett- und Apollofalter).
Wie im Mittelalter: Auf dem Stundenweg
Immer wieder gab es großartige Ausblicke.
Blick Richtung Osten: Etsch-Tal und Südtirol, in der Mitte das mittelalterliche Städtchen Glurns. Unser morgiges Ziel!
Blick Richtung Westen: Schweiz und Ofenpass. Ganz hinten liegen Sta. Maria und Müstair, unser heutiges Ziel!
Wir alle schwitzten tüchtig, weil es zum Teil auch noch bergauf ging bei knapp 30 Grad im Schatten.
Auch die Wasservorräte gingen einigen aus.
Zum Glück kamen wir ab und zu an einen Brunnen zum Abkühlen ...
... und zum Auffüllen der Wasserflaschen und Trinkbeutel vorbei.
Außerdem gab es viele Erdbeerchen zu naschen und sogar an Kirschbäumen mit kleinen roten und schwarzen Kirschen wanderten wir vorbei.
Suchbild!
Wir fühlten uns schon wie kleine Pilger auf dem Weg nach Santiago!
Unser Jakobsweg ...
... zum Kloster Müstair, 1200 Jahre alt!
Obwohl es glühend heiß war und wir unser Ziel, das Kloster Müstair, erst in weiter Ferne liegen sahen, hielten die Kinder ohne Jammern mit einem hohen Tempo durch, hatten wir doch am Schluss über 22 km schmalen Bergweg in 9 Stunden hinter uns gebracht! Das wäre zu Beginn unserer Wanderung unmöglich gewesen. Leider fangen schon die ersten Schuhe an sich aufzulösen! Zum Glück blieb es heute trocken.

In Müstair stiegen wir dann erschöpft in den Bus und fuhren die restliche 5 km nach Sta. Maria zu unserer Jugendherberge. Florian und Jan hatten inzwischen in Taufers fürs Abendessen eingekauft.
An der Jugendherberge erwartete uns schon Katharina Haas, sie studiert Sonderpädagogik und wird uns jetzt bis zum Schluss begleiten.

Gerne gingen wir alle erst mal zum Duschen. Florian und tüchtige Helfer bereiteten dann unser Abendessen vor: Kartoffelbrei mit Bratwürsten und zum Nachtisch: Schokoladencreme!
Gemeinsames Kartoffelschälen in der JuHe
Da es nach dem Abendessen schon ziemlich spät war, gingen wir bald ins Bett.

Gesamte Entfernung: 22,2 km
Gesamtzeit: 11h 11min, Zeit in Bewegung: 9h 7min
Start: 2.256 m, Ende: 1.375 m, Differenz: -881 m
Minimale Höhe: 1.247 m, Maximale Höhe: 2.279 m
Gesamtanstieg: ----  Gesamtabstieg: ----


Leider zeigte das Profil heute eine Lücke und falsche An- und Abstiegswerte












 An unserem morgigen Ruhetag wollen wir nach Müstair laufen und uns dort durch das Kloster führen lassen, dann weiter mit dem Bus nach Glurns fahren und das alte Städtchen anschauen.

Ciao, bis morgen!

Sonntag, 10. Juli 2011

10. Tag: Zur Sesvenna Hütte

Heute war Wecken um 6.45 Uhr, Frühstück um 7.30 Uhr, dann Abmarsch - nachdem sich auch der Letzte an seine Badehose erinnert, seine Kappe wieder gefunden, sich eingecremt, die Füße verbunden, seine Trinkblase gefüllt, die Schuhe zugebunden, die Stöcke eingestellt hatte und das Gruppenabschiedsfoto mit der sehr netten Stroh-Hotel-Wirtin gemacht  war - also um 9.00 Uhr!

Abschiedsfoto mit Familie Noggler
Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir fröhlich und gut erholt in Richtung Inn ...
... filmisch begleitet von Jan
Es ging jetzt erstmal hinab nach Sur En und über den Inn, mit 1.112 m Meereshöhe ziemlich weit unten.
Die alte Inn-Brücke in Sur En (1.112 m)
Von da wanderten wir ständig bergauf durch das wilde Uina-Tal, von schnaufenden Mountainbikern überholt, immer am schäumenden Bach entlang und an zwei Almen vorbei, bis wir an der Il Quar-Schlucht ankamen.

Immer aufwärts!
Von dieser Schlucht hatten wir schon von verschiedenen Seiten gehört, manche haben sie als den spektakulärsten Weg in den Alpen bezeichnet!
In eine senkrechte Felswand ist auf etwa 600 m Länge ein schmaler Weg mit einigen Tunneln geschlagen, etwa einen Meter breit und manchmal mit Drahtseilen oder Geländer gesichert.

Der schmale, in die Felswand gehauene Weg
Am Anfang der Schlucht ging es mehrere hundert Meter senkrecht bis zum Grund des Canyons hinunter.

Die Il Quar-Schlucht
Aufgeregt starteten wir in festgelegter Reihenfolge durch die Tunnel und über das Felsenband.
Wir wussten nicht, ob wir uns auf die Kinder verlassen könnten. Sie sollten nur an der Bergseite laufen, sich am Drahtseil festhalten, nicht rennen oder überholen, nicht zu nahe an den Rand gehen, keinen Quatsch machen, nicht durchdrehen usw.

Durch die Schlucht





 Kurze Pause bis alle wieder aufgeschlossen hatten

Gewagter Blick nach unten!
Glücklicherweise hielt sich jeder an die Regeln und wir durchquerten die Schlucht ohne Zwischenfälle.
Kinder, wir sind stolz auf euch, dass ihr das so gut geschafft habt!

Schließlich kam der Fluss immer näher und das Tal öffnete sich wieder in friedliche Wiesen und Weiden.


Bis zur Sesvenna Hütte, schon in Italien - Pardon, in Südtirol - gelegen, war es dann über den Passo di Slingia (2.309 m) nicht mehr weit.

Nur noch 5 Minuten!

Die Sesvennahütte (2.256 m) in Südtirol
Auf der Hütte  wurden wir freundlich empfangen. Zuerst gab es mal einen Kakao.

Zum Abendessen gab es dann super Lasagne!

Nach anfänglichem Gemotze sind die Kinder heute zügig gelaufen, weil wir ja auch einen weiten Weg vor uns hatten. Jetzt spielen sie in und um die Hütte.

Fröhliche Spiele nach dem Abendessen
Sind sie nicht brav, unsere Engele?
Wir haben sogar ein bisschen Freundschaft mit den Südtirolern hier geschlossen!
Auch ein soziokulturelles Phänomen konnten wir heute feststellen: Wir waren beim Essen nicht mehr die lautesten in der Gaststube, sondern eine Gruppe fröhlicher, echter Italiener!

 Trotz der großen Höhendifferenz vom Inn bis zum Schlinig-Pass von über 1.200 m sind wir die 16 km zügig gelaufen und haben insgesamt nur eine Stunde Rast gemacht!
Gesamte Entfernung: 16,2 km
Gesamtzeit: 8 h 09 min, Zeit in Bewegung: 7 h 
Start: 1.488 m, Ende: 2.256 m, Differenz: +768 m
Minimale Höhe: 1.110 m, Maximale Höhe: 2.325 m
Gesamtanstieg: 1.610 m, Gesamtabstieg: 846 m












Morgen geht es wieder ins Tal, ins Val Müstair (rätoromanisch), Münstertal (südtirolerisch) oder ins Val Monasterio (italienisch), und dann nach Santa Maria (CH) in die Jugendherberge.

Am Dienstag wollen wir uns dann das Kloster Müstair (Unesco-Weltkulturerbe) anschauen, wieder waschen und duschen.

Samstag, 9. Juli 2011

9. Tag: Ruhetag in Scuol

 Allegra! (das ist der rätoromanische Gruß hier und heißt: Freut euch!)

Heute morgen habe ich niemanden geweckt, sondern die Morgensonne genossen und Tagebuch geschrieben. Nach und nach kamen alle aus dem Stroh. Um 8 Uhr waren wir dann komplett! Erstaunlicherweise tat den wenigsten etwas weh, trotz der langen gestrigen Wanderung.

Bei einem reichhaltigen Frühstück mit selbstgemachtem Käse, hauseigener Milch und Waldbeerenmarmelade, Joghurt und selbstgebackenem Zopfbrot genossen wir es, nicht gleich wieder mit schwerbepacktem Rucksack in die Berge zu müssen.
gemütliches Frühstück
Das "Strohhotelbuffet"
Um 10 Uhr begrüßten wir dann einen Vater aus dem Allgäu, der kam, um einige - hoffentlich überflüssige - Sachen, wie Gamaschen, einige Stöcke, Steigeisen, Mützen und Handschuhe nach Wangen zurückzunehmen. Mit ihm verließ uns auch schweren Herzens Herr Tröbst, da er am Montag wieder arbeiten muss.

Vielen Dank, Dominique, wir werden dich vermissen!
Wir richteten noch einige schmutzige Wäschestücke her, da Frau Noggler sich freundlicherweise bereit erklärte, für uns etwas in ihrer Waschmaschine zu waschen!

Wir fuhren dann mit dem gelben Posti nach Scuol, wechselten Euros in Franken und kauften für das Abendessen ein.
Vor dem Schwimmbad gab es dann noch eine Mittagsrast.

Rast vor dem "Bogn Engiadina Scuol"
Im Wellness-Bad gaben wir dann unsere Freikarten ab, wuschen den Alpendreck unter den Duschen ab und genossen drei Stunden lang das Solebecken, das Dampfbad, das Kalt- und Warmwasserbecken und den Bergblick vom Draußen-Becken aus.

Wir bummelten danach noch durch Scuol, bewunderten die Engadiner Häuser und genossen die Mineralquellen.

Heilkräftiges Mineralwasser, direkt aus dem Dorfbrunnen!

Ziemlich cool! Im Hintergrund Scuol und unter uns der wildrauschende Inn.
Mit dem Bus fuhren wir dann wieder nach Sent zurück.

Gleich kommt das Posti!
In Sent schlenderten wir dann noch an den typischen Engadiner Häusern vorbei.

Vor einem der wunderschönen Unterengadiner Häuser in Sent.
Andrea zauberte dann aus den verlängerten Resten von gestern noch ein schmackhaftes Abendessen.

Selma durfte sogar noch eine Runde reiten!
Jetzt ging es schon wieder ans Packen und Sachen Zusammensuchen, damit wir morgen früh bald nach Sur En laufen können und dann durch das Val d'Uina zur Sesvenna Hütte in Italien kommen. 1.200 Höhenmeter liegen vor uns!

Allegra!